Ein Rückblick auf das Dorf Hainholz
Im Jahre 1585 tauchte zum erstenmal im Stadtarchiv der Name „Dorf Hainholz” auf. Also vor über 400Jahren. Die damalige Voigtei Langenhagen führte in den dortigen Angaben die Hofstellen und ihre Inhaber des Dorfes Hainholz.
1585 hatte Hainholz drei Vollmeierhöfe und 14 Klein-Kötnerhöfe. Jede Hofstelle hatte nach den damaligen Bestimmungen einen Mann mit der vorgeschriebenen Bewaffnung zu stellen. Zur Verteidigung ihrer Höfe und Städte wurde das alte Heerwesen 1631 verbessert. Es entstanden aus dem Heerbann stehende Regimenter, die sich ihre Waffen selbst besorgen mußten und Sonntags zu Übungen anzutreten hatten.
Man kann sich kaum vorstellen, welche ernsthafte Bedeutung diese Bewaffnung jener Jahrhunderte in den vielen Kriegsjahren für das Dorf haben konnte.
Man denke nur an den Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648, insbesondere an die Jahre von 1625, was sich hier auf niedersächsischen Boden abgespielt hatte, als Tilly´s Scharen unser Land überschwemmten und lange vor den Toren Hannovers gelegen hatten.
Die Dörfer in der nähe der Stadt hatten natürlich am meisten darunter zu leiden. Eines dieser Dörfer war Hainholz und in der Chronik kann man darüber einen Bericht lesen.
Das Gefecht bei Hainholz:
Der Dreißigjährige Krieg rückt Hainholz in das Licht der Hannoverschen Geschichte. Der Oberbefehlshaber des Kaiserlichen Heeres ist der bekannte Graf von Tilly. Der Graf Justus von Gronßfeld wird von ihm als Gubernator (Verwalter) eingesetzt. Sein Hauptquartier befindet sich in Neustadt am Rübenberge. In der Nacht zum 23.Juli 1632 ist er mit Reitern und Dragonern aus Neustadt aufgebrochen um in der Morgenfrühe die Stadt Hannover durch einen kühnen Handstreich in seine Gewalt zu bringen. Aber der 23.Juli war gerade ein Bettag und die Tore blieben deswegen bis morgens 8 Uhr geschlossen. (In der damaligen Zeit, waren die Städte noch mit einer Mauer und Toren umgeben, die nachts abgeschlossen wurden.)
Die feindlichen Späher beobachteten das, deshalb hielt sich Gronßfeld und seine Soldaten noch unweit von Hainholz auf. Einige Schäfer trieben bereits am frühen Morgen die Schafe hinaus, denn sie wollten zur Gemarkung Mecklenheide. Die kaiserlichen Soldaten stellten sich ihnen entgegen und nahmen ihnen die Schafe weg.
Als die Tore um 8 Uhr nach der gehaltenen Gebetsstunde geöffnet wurden trieben weitere Hirten ihre Kuh- und Schafherden durch das Steintor ins Freie. Auch einige Bürger mit Pferd und Wagen waren auf dem Wege zu ihren Gärten vor der Stadt.
Henry Kolhöfer aus Hainholz fuhr gerade mit seinem vollbeladenem Wagen nach Hannover. Bei dem Nikolaikirchhofe kamen ihm überraschend einige Reiter der feindlichen Truppe entgegen, spannten die Pferde aus und ritten zwischen die Tiere der Herden. Das gab natürlich ein großes Durcheinander. Den Hirten gelang es gerade noch die Tiere in die Stadt zurückzutreiben. Wie ein Lauffeuer hatte sich dieser Überfall in der Stadt herumgesprochen. Die Bürger eilten mit Musketen und Feuerröhren bewaffnet zur Stadt hinaus um den Feind anzugreifen und zurückzuschlagen.
Der hannoversche Chaptain Rottorf hatte in aller Eile Soldaten gesammelt und führte sie in großer Unordnung hinaus, die meisten hatten kein Schuß Kraut und Loth bei sich. Der Feind wich zurück und lockte die Hannöverschen bis vor Hainholz.
Bei diesem „Gefecht vor Hainholz” wurde viel Blut vergossen. Viele Männer bezahlten zwar ihre Treue zur Stadt und zum Dorf Hainholz mit dem Leben, aber dem General Gronßfeld mißlang sein Plan und die Stadt blieb verschont.
Zwei Jahre später, am 8. Juli 1634 sah Hainholz noch einmal durchmarschierende feindliche Truppen. Der Kommandant von Minden, Graf von Waldeck, zog mit 4000 Mann Über Neustadt- Osterwald und zwischen 6 und 7 Uhr abends durch Hainholz. Sein Angriffsziel war Hildesheim, aber in einer Schlacht bei Heisede wurden die feindlichen Truppen fast völlig vernichtet. Auch in unserer Neuzeit ist dieses Gefecht von Hainholz, nicht in Vergessenheit geraten. Die neuen Nebenstraßen der Schulenburger Landstr. Tragen die Namen die im „Gefecht bei Hainholz” mitgekämpft haben.
Krepenstr. – Schachtebeckweg – Mogelkenstr. – Sokelandstr. – Grambartstr. – Meelbaumstr.
Vor ca. 500 Jahren, wurde unser St. Marienkirche (Schweinchenkirche) erstmals in der hannoverschen Chronik erwähnt. Der Chor wurde Anfang des 15. Jahrhundert erbaut und beherbergte einst ein wundertätiges Marienbild, zu dem Menschen von weither Wallfahrteten. Die Kirche und der Turm wurden 1825-1828 neu erbaut. Wer 1979 in Hannover den Schützenumzug gesehen hatte, konnte im Festzug die von der Schützengesellschaft Hainholz dargestellte Gruppe, „Eine Wallfahrt zur Maria von Hainholz” sehen. In dieser Kirche bin ich getauft, konfirmiert und auch getraut. 1920 mußten wir als Chorknaben noch die Luftbalken für die Orgel treten, damit die Kirchenorgel ihre Töne von sich geben konnte. Heute ist das nicht mehr notwendig. 1891 wurde das Dorf Hainholz in die Hauptstadt Hannover eingemeindet.
Seit vielen Jahrzehnten ist auch ein Teil der Bevölkerung sportlich tätig. Der erste Sportverein war der Turn-Club Hainholz er gründete sich bereits 1887. Geturnt wurde damals auf dem Grundstück hinter der Stadtsparkasse Schulenburger Landstr. Es war die erste Turnhalle in Hainholz.
1901 hatten sich 7 radsportbegeisterte Männer dem neuen Verkehrsmittel mit Leib und Seele verschrieben und gründeten den Radfahrverein Orkan.
Die schießsportbegeisterten Hainhölzer Bürger gründeten am Abend des 25. August 1908 die Schützengesellschaft Hainholz. Weitere Gründungen waren der Nordstädter Turnverein von 1909, der VfV von 1910, die ersten Kleingartenvereine Feierabend und Krügersruh von 1911 sowie die Freien Schwimmer von 1919.
Der zweite Weltkrieg hatte den Sportvereinen die Trainingsstätten und Vereinsheime mit allem Inventar verwüstet. Von der Turnhalle der Bürgerschule in der Voltmerstr. standen nur noch die Grundmauern. Unter freien Himmel und unter großen Schwierigkeiten begann der R.V.Orkan wieder mit dem Training. Vor jedem Übungsabend mußten wir mit Eimern und Scheuerlappen den Fußboden reinigen. Wenn es zu schlimm war ging es einfach in ein Klassenzimmer, die ja alle ausgebrannt waren. Ungebrochen begann bei allen Sportvereinen wieder der Aufbau und die Vereinsarbeit. Die Freien Schwimmer bauten in der Helmkestr., auf dem heutigen Karl König Platz, ihr eigenes Freibad. Da dieses Bad bald zu klein wurde, baute die Stadt 1955 in der Voltmerstr. ein neues Schwimmbad.
Von dem damaligen kleinen Dorf Hainholz ist heute ein großer Stadtteil von Hannover geworden.
Verfaßt und zusammengetragen von
Ferdinand Schinkel „Euer Hainhölzer Original”
Ein herzlichen Dank an Berni Heine, der mir diese Zusammenstellung von unserem Feschi zugeschickt hat.