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Abschied von unserem Feschi

Ein Hainhölzer Urgestein ist von uns gegangen. Am 3.September 2002 haben wir unseren Feschi, unseren Ehrenvorsitzenden Ferdinand Schinkel, auf dem alten Hainhölzer Kirchenfriedhof zur letzten Ruhe begleitet. Zwei Tage nach seinem 94. Geburtstag, am 27. August 2002, hat er die Augen geschlossen und sein Notizbuch zur Seite legen müssen. Was hatte er noch immer für Pläne, für Ideen, war bis fast zuletzt immer aktiv und für andere da. Zum Großen Schützenfest haben wir ihn, noch recht munter, von seiner Wohnung abholen dürfen, unsere Fahne bei ihm in Empfang genommen und ihn so ein letztes mal ehren können. In der Festkutsche hat er den Ausmarsch mitgemacht und war auch noch einige Stunden mit uns auf dem Festplatz.

Am Dienstag ist er dann unglücklich in seiner Wohnung gestürzt. Er hatte sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Die Operation war sehr gut verlaufen. In der Reha-Klinik stellten sich jedoch noch andere Schwierigkeiten ein und er wurde wieder in das Siloah-Krankenhaus eingeliefert. Hier konnte ich ihn vor meinem Urlaub noch einmal besuchen, aber man sah was kam…

Am 25.August 1908 ist unser Ferdinand geboren, einen Tag nach der Gründungsversammlung für unsere Gesellschaft im Schmedes Gasthaus, dem „Geburtstag“ der SG Hainholz 08. Er ist sein Leben lang seinem Hainholz treu geblieben, ein Hainhölzer, bekannt wie ein „bunter Hund“. In der Marienkirche zu Hainholz getauft, hier konfirmiert, geheiratet, und nun stand auch sein Sarg an dieser Stelle, mit unserer, mit seiner Fahne der Schützengesellschaft Hainholz von 1908 und der Ehrenwache, für unseren Ehrenvorsitzenden. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele mussten stehen, Freunde, Bekannte, Nachbarn, … Hainhölzer!, viele Sportfreunde, viele Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Hainhölzer Vereine: ARGE, deren Gründer und Ehrenvorsitzender er ebenfalls war, und seine Schützen, Abordnungen vom Verband und vielen befreundeten Vereinen, und seine, die Schützengesellschaft Hainholz 08, es waren wohl fast alle da, um Abschied zu nehmen.

Ferdinand, Ferdi, Feschi, oder auch manchmal von den „Alten” liebevoll „Männe” genannt, er war ein Handwerker, ein Sportler, ein Radsportler und er war Schütze. Seit seinem 15 Lebensjahr war er Mitglied unserer Gesellschaft, also genau 79 Jahre ! Es sollte an dieser Stelle erlaubt sein, aus diesem erfüllten Leben noch einmal kurz einige Daten zu erwähnen. 1923 begann er die Ausbildung zum Dreher bei der Schmirgel in Hainholz, danach Fa.Hävemeier & Sander, später im Büro: Arbeitsvorbereitung.

Am 01.04.1923 Eintritt in den Radsportverein Orkan. Dieses war sein Hauptsport. Hier wurde er 3 x Deutscher Meister im 6er Radball und 1x Deutscher Meister im 3er Radball in den Jahren 1930 bis 1933. Nach dem Kriege war er erster Vorsitzender von Orkan.( bis 1983 = 47 Jahre Funktionärsarbeit im Radsport , Kampfrichter bei den Olympischen Spielen in München )

Am 01.01.1923 Eintritt in die Schützengesellschaft Hainholz von 1908 als Jungschütze.

Nach dem Kriege war er zweiter bzw. erster Festleiter der Gesellschaft, von Januar 1965 bis Juli 1973 zweiter Vorsitzender, danach bis Januar 1977 übernahm er das Amt des ersten Vorsitzenden, und wurde dann zum Ehrenvorsitzenden der SG Hainholz ernannt. 1982 wird Feschi zur großen Freude aller mit 74 Jahren das erste mal Schützenkönig des Vereins. 1988 ernennen ihn seine Schützen zum Ehrenmitglied und er erhält die Goldene Ehrennadel mit Brillant. Zum Geburtstag 1993, zum 85.ten ehren wir ihn mit einem großen Fackelzug, und an diesem Tage überreicht der Präsident des Verbandes Hann. Schützenvereine Eckbert Matthias ihm die goldene Verdienstnadel des NSSV. In gleicher Weise marschieren wir zum 90.ten Geburtstag auf und der Vizepräsident des VHS, Klaus Dieter Fischer, steckt ihm die Ehrennadel für 75 Jahre Mitgliedschaft im DSB an. Für uns Schützen beeindruckende Anlässe, die wir nie vergessen werden, ebenso wie die Feier der Goldenen Hochzeit mit seiner Margarete 1990. Viele weitere Ehrungen und Auszeichnungen hat der Verstorbene für seine enorme Tätigkeit für den Sport erhalten.

Besonders hervorzuheben ist: Im Jahre 1981 wurde Ferdinand Schinkel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschlands für jahrzehntelange, ehrenamtliche Arbeit im Sport verliehen, übereicht durch den Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg.

1992 wird ihm in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Sport die Niedersächsische Sportmedaille verliehen.
Dieses alles, sein Leben, seine Verdienste, sein da sein für Andere, wurde in liebevoller Weise von Frau Pastorin Deisenroth-Rogge in ihrer Predigt gewürdigt. Es waren zu Herzen gehende Worte, über die man noch lange nachdenken wird und sollte. Für die Arbeitsgemeinschaft der Hainhölzer Vereine sprach der amtierende Vorsitzende Klaus Stellmann herzliche Dankesworte und würdigte noch einmal den Einsatz für die gemeinsamen Interessen der Hainhölzer Vereine, das Werk und Erbe Ferdinand Schinkels. Unser Vorsitzender, Peter Krumradt, hatte die traurige, schwere Aufgabe übernommen und sprach im Namen aller Anwesenden den Dank für seine lebenslange Treue zum Schützenwesen Hannovers aus, dieses aber besonders für die Hainhölzer Schützinnen und Schützen, für die er so unendlich viel getan hat.

Ferdinand Schinkel war für mich selbst immer ein guter Freund und Schützenbruder, in schönen und in schweren Stunden, besonders als ich den Vorsitz unserer Gesellschaft übernommen hatte. Ich habe ihm viel zu danken. Er hat mir und uns, der Schützengesellschaft, sehr, sehr geholfen, mit Rat und Tat, stets fair und objektiv, sportlich. Was hätten wir wohl so manches mal gemacht, wenn unser Feschi nicht da gewesen wäre.
Er war und ist ein Vorbild für uns alle.

Und dann ging es hinaus… auf den Platz vor der Marienkirche, wo die drei Schützenbirken stehen, die er einst mit Gerd Ackermann gepflanzt hat,… wo so manches mal die Musik erklang beim Platzkonzert zum Hainhölzer Schützenfest.

Von hier ging der lange Trauerzug durch die alten Straßen von Hainholz zum Friedhof. Den Ort, wohin Ferdinand schon so manchen Bekannten und Freund begleiten musste. Jetzt war es sein letzter Weg, den wir gingen. Ein Choral begleitete auf dem Friedhof bis zur Gruft und mit den Klängen vom „Guten Kameraden” wurde unser Ehrenvorsitzender Ferdinand Schinkel nach alter Tradition aus den Reihen seiner Schützenschwestern und Schützenbrüder entlassen.

Sein Leben soll uns Beispiel und Verpflichtung sein.
Ferdinand Schinkel wird uns unvergesslich bleiben.